Drei Dinge, die du im Winter auf Vancouver Island machen solltest

Drei Dinge, die du im Winter auf Vancouver Island machen solltest

Die meisten denken bei Kanada und Winter an Schneemassen und eisige Temperaturen. Doch das ist weit gefehlt. Nicht alle Teile von Kanada haben einen so harten Winter wie man gemeinhin annimmt. Der beste Zufluchtsort in der kalten Jahreszeit: Vancouver Island. Das Klima ist hier durch die Meeresnähe sehr gemäßigt und die Temperaturen liegen selbst im Januar bei um die 5° C bis 10° C – je nach Region. Sicherlich, sobald die Sonne scheint kann es auch mal frostiger werden oder sogar ein wenig Schnee fallen, aber im Vergleich zum restlichen Land sind die Temperaturen durchaus auszuhalten und sehr mit Deutschland zu vergleichen.

Den Winterurlaub auf Vancouver Island zu verbringen ist also eine wunderbare Gelegenheit, Kanada mal von einer anderen Seite zu erleben. Ich habe die komplette Insel im Winter erkundet und will dir daher hier mal meine besten Tipps geben, was du in der „Off-Season“ auf Vancouver Island unternehmen solltest. Denn Klassiker wie Walbeobachtungen oder andere Wildlife-Touren fallen hier leider weg. Dafür ergeben sich andere einmalige Gelegenheiten, die man so nur im Winter erleben kann.

1. Surfen in Tofino

Na gut, zugegeben, Surfen ist jetzt nichts, das man nur im Winter erleben kann. Und viele dürften sich fragen wie man auf die verrückte Idee kommen sollte im Winter surfen zu wollen. Aber auch hier will ich ein wenig mit Vorurteilen aufräumen. Denn was zunächst einmal nach einer klaren Sommertätigkeit aussieht, ist definitiv auch im Winter einen Versuch wert. Tofino ist dafür wie prädestiniert und einer DER Surf-Hotspots in Nordamerika. Das kleine Örtchen im äußersten Westen der Insel ist ein kleines Schmuckstück und liegt am Ende des Highway 4 am nördlichen Ende des Pacific Rim Nationalparks. Es wimmelt hier nur so von Surfschulen, Kneipen, Souvenirläden, idyllischen Resorts und Airbnbs. Im Sommer treffen sich hier Unmengen an Surfbegeisterten aus aller Welt um sich in die Brandung zu stürzen.

Ruhe und Rabatte

Im Winter sieht das anders aus. Einige der Läden, Restaurants und Touren-Veranstalter haben geschlossen, die Straßen wirken zum Teil wie leer gefegt. Was auf den ersten Blick ein wenig trist klingt, bringt in Wirklichkeit einige entscheidende Vorteile. Nicht nur sind die Preise für die Unterkünfte günstiger als in der Hauptsaison, es ist auch deutlich leichter eines der stylishen Airbnbs oder Resorts zu buchen – auch kurzfristig. Zudem entgeht man ein wenig dem Trubel und hat auch die weitläufigen Strände noch mehr für sich. Manche Surf-Schulen bieten zudem Rabatte auf bestimmte Dienstleistungen an. So hatte beispielsweise die Pacific Surf Co im Januar 2019 einen Rabatt auf Gruppen-Stunden. Meldete man sich zu zweit für eine Unterrichtsstunde an, zahlte die zweite Person nur 50 Prozent des Preises. Da spart man sich schnell mal einige Dollar! Hier heißt es also Augen offenhalten. Generell lagen zum Zeitpunkt meines Besuches die Kosten für eine Gruppenstunde zwischen 80 und 90 CAD$. Die Kosten für Einzelunterricht zwischen 150 und 190 CAD$.

Meine Erfahrung

Bei zehn Grad Außentemperatur hatte ich wirklich Bedenken, ob das Surfen nicht ein wenig sehr kalt werden könnte. Aber ich hatte es noch nie gemacht und wollte es unbedingt einmal ausprobieren. Also ging es rein in den Surf-Shop, um mich beraten zu lassen. Was ich dann hörte erstaunte mich doch sehr. Wie die Außentemperatur liegt auch die Wassertemperatur im Winter wohl um die zehn Grad. Zum Vergleich: im Sommer sind es gerade mal 13 bis 14 Grad. Kein wirklich großer Unterschied. Zudem gibt es spezielle fünf Millimeter dicke Winter Wetsuits inklusive Schuhen, Handschuhen und Kapuze. Bis auf das Gesicht ist also alles komplett eingemummt. Mir war damit wärmer als mit meinen normalen Klamotten (und ich trug eine Ski-Jacke). Vor der Kälte braucht also wirklich niemand Angst haben.

Der Ablauf der Surf-Stunde

Mein Surf-Lehrer Adam widmete sich in meiner Unterrichtsstunde ausführlich den theoretischen Grundlagen des Surfens und erklärte mir wie Strömungen funktionieren, wie man die Welle am besten angeht und wie man sich anschließend aus der „Four-Point-Position“ richtig auf das Board stellt. Nach gut einer Stunde fühlte ich mich super fit um das Ganze in der Praxis auszuprobieren. Als Anfänger startet man in den recht seichten Gewässern, die einem etwa bis zur Hüfte gehen und surft dann auf dem sogenannten „White wash“, also dem was nach dem Brechen einer Welle übrigbleibt. Adam zeigte mir, welche Wellen ich am besten nehmen konnte und half mir mich bei den ersten Versuchen richtig auf dem Brett zu positionieren. Dank der ausführlichen Erklärung und den Trockenübungen am Strand schaffte ich es so tatsächlich bereits die ersten Wellen richtig im Stehen zu reiten. Ein echtes Erfolgsgefühl!

Mein Resumée

Durch die Nebensaison hatten wir zudem reichlich Platz im Meer und musste nicht auf andere Anfänger und Surfschulen Acht geben. Für mich hat es sich daher total gelohnt das Surfen im Winter mitzunehmen und ich würde es jedem empfehlen, der in dieser Zeit auf die Insel kommt. Es ist eine einmalige Gelegenheit und sorgt bei Freunden und Bekannten bestimmt für große Augen, wenn man von diesem „Abenteuer“ berichtet 😉

2. Wasserfälle entdecken

Auf Vancouver Island gibt es extrem viele Seen, Flüsse und eben auch Wasserfälle. Da die Sommer zum Teil sehr trocken sind, führen viele der Flüsse während der warmen Monate jedoch wenig Wasser und damit schrumpfen auch die Wasserfälle gewaltig in ihrer Wirkung. Im Winter jedoch werden die Wasserfälle durch den anhaltenden Regen stetig genährt und wachsen enorm an. Die kalte Jahreszeit ist daher die beste Gelegenheit um diese beeindruckenden Naturschauspiele in ihrer vollen Pracht zu erleben. Im Sommer sind viele dagegen nur ein Schatten ihrer selbst. Leider habe ich nur einen kleinen Ausschnitt der zahlreichen Wasserfälle hier auf der Insel sehen können, aber nachfolgend möchte ich dir die vier nennen, die mich am meisten beeindruckt haben.

Elk Falls in Campbell River

Die Elk Falls in Campbell River sind sehr leicht zu erreichen. Sie liegen etwa fünf Kilometer westlich der Stadt am Highway 28 Richtung Gold River und sind in der Stadt und auf den Highways sehr gut mit blau-weißen Schildern ausgeschildert. Vom Parkplatz benötigt man etwa zehn Minuten um die Wasserfälle zu erreichen. Der Weg führt dabei über einen leicht begehbaren Trail. Es gibt zahlreiche Aussichtsplattformen um die Wasserfälle von allen Seiten zu begutachten und außerdem eine tolle Hängeseilbrücke über den Canyon. Von hier hat man den besten Blick, allerdings ist die Brücke nichts für Leute mit Höhenangst. Denn zum einen geht es ziemlich tief nach unten, zum anderen kann sie je nach „Betrieb“ auch ganz schön ins Schwanken geraten. Für den Ausblick kann es sich jedoch lohnen seine Ängste zu überwinden!

Myra Falls im Strathcona Park

Folgst du dem Highway 28 weiter Richtung Gold River kommst du zu meinem zweiten Tipp: den Myra Falls im Strathcona Park. Etwa 50 Kilometer westlich von Campbell River biegst du südlich auf die Westmin Road ab und folgst ihr für weitere rund 30 Kilometer. Auch die Myra Falls sind sehr gut durch blau-weiße Schilder am Straßenrand ausgewiesen. Am Parkplatz angekommen, führt ein sehr gut angelegter Schotterweg zu den verschiedenen Aussichtsplattformen hinab. Achtung: je nach Fitness-Level kann vor allem der Weg zurück recht anstrengend sein.

Insgesamt stürzen die Myra Falls über verschiedene Stufen 70 Meter in die Tiefe und unterteilen sich damit in „Upper Falls“ und „Lower Falls“. Diese haben jeweils ihren ganz eigenen Charme. Vor allem die Lower Falls sind jedoch sehr beeindruckend. Der Vorteil, wenn man im Winter kommt (noch dazu unter der Woche): durch die Abgelegenheit besteht die Möglichkeit den Anblick ganz für sich allein zu haben. Ich habe dort keine einzige Menschenseele getroffen. Das macht den ganzen Eindruck dann nochmal ganz besonders!

Englishman River Falls in Errington

Ganz in der Nähe des Highway 19 auf der Höhe von Parksville liegen die Englishman River Falls. Auch sie sind mit blau-weißen Schildern gut ausgewiesen und sehr leicht mit dem Auto zu erreichen. Vom Parkplatz bis zu den Wasserfällen geht man vielleicht fünf Minuten und hat auch hier die Möglichkeit sie dank verschiedener Trails und Aussichtsplattformen von verschiedenen Seiten zu begutachten. Den besten Blick hat man hier von einer Brücke, die über einen Canyon führt. Im Gegensatz zu Hängeseilbrücke bei den Elk Falls ist diese jedoch stark befestigt und bietet keinen direkte Blick nach unten. Sie dürfte daher also für den Großteil der Menschen gut zu begehen sein. Über das schöne Trailsystem kann man einen Rundweg zu den Lower Falls machen und sich den Canyon auch von unten ansehen. Ohne Fotopausen dauert der Rundweg etwa eine halbe Stunde und ist gut zu bewältigen. Einige Steigungen müssen jedoch einkalkuliert werden. Am großen Parkplatz gibt es allerdings zahlreiche Möglichkeiten um sich nach der Runde mit einem ausgiebigen Picknick zu belohnen.

Ammonite Falls in Nanaimo

Die Ammonite Falls in Nanaimo sind wohl ein kleiner Geheimtipp. Ich selbst hatte von ihnen zumindest vorher nicht gehört und nur durch einen Einheimischen von Ihnen erfahren. Sie liegen etwa elf Kilometer nordwestlich vom Nanaimo-Zentrum und sind ab dem Parkplatz auf der Jameson Road über einen sehr schönen Trail durch den Wald zu erreichen. Um sie in ihrer vollen Pracht zu erleben, muss man jedoch am Ende des Trails einen sehr steilen Hang hinunter klettern, der nur mit Hilfe eines Seils begangen werden kann. Bei Höhenangst könnte das vermutlich ein Auschlusskriterium sein. Wer damit jedoch kein Problem hat, trittfest ist und sich vor einem steilen Ab- und Aufstieg nicht scheut, der wird jedoch mit einem spektakulären Anblick belohnt. Mein persönliches Wasserfall-Highlight der Insel!

3. Ski fahren

Jetzt wird es klassisch! Denn auch das Ski fahren ist auf Vancouver Island im Winter kein Problem. Die zwei größten Ski Resorts auf der Insel sind Mount Washington und Mount Cain. Mount Washington liegt etwa in der Mitte der Insel zwischen Courtenay und Campbell River. Mount Cain liegt weiter nördlichen zwischen Sayward und Woss. Die Straße nach Mount Washington ist sehr gut befahrbar und wird von Schneeräumfahrzeugen regelmäßig geräumt. Je nach Wettersituationen können jedoch Schneeketten erforderlich werden. Dafür gibt es aber jeweils vor den steilsten Hängen sogenannte „Chain up areas“. Bei gutem Wetter ist die Fahrt aber kein Problem. Winterreifen vorausgesetzt. Bei Mount Cain sieht das Ganze etwas anders aus. Der Berg ist deutlich höher als Mount Washington und nur über eine Logging Road zu erreichen. Da hier nicht geräumt wird, sind Schneeketten bei jedem Fahrzeug absolute Pflicht! Wer auf dem Weg stecken bleibt, hat kaum eine Chance zu wenden.

Die Preise unterscheiden sich deutlich. Auf dem abgelegeneren Mount Cain zahlt man als Erwachsener 52 CAD$ für einen Tagespass. Auf dem Mount Washington fast das doppelte: 95 CAD$! Dafür bietet das Mount Washington Resort hin und wieder auch besondere Aktionen an. Im Januar 2019 gab es beispielsweise die „Free Discovery Days“. Alle Skianfänger über 13 Jahre, die noch nie auf Skiern standen, bekommen hier eine zweistündige Gruppenstunde, ein Lift Ticket für den Easy Acres Lift und die passende Leih-Skiausrüstung komplett umsonst! Wer also mal in die Welt des Skifahrens reinschnuppern möchte, hat hier die einmalige Gelegenheit. Augen offenhalten, ob es die Aktion in der nächsten Saison wieder gibt und schnell die Chance ergreifen.

4. Fazit

Vancouver Island ist extrem vielfältig und bietet auch im Winter zahlreiche spannende Aktivitäten. Vom Surfen über Wandern und Wasserfälle bestaunen bis hin zum Skifahren ist alles dabei. Dabei ist man jedoch stets abseits von Touristenmassen und hat die einmalige Gelegenheit Kanadas Westküste mal von einer anderen Seite kennenzulernen. Die Temperaturen sind vergleichbar mit Deutschland und bewegen sich meist irgendwo zwischen null und zehn Grad. Für aktive Tagesausflüge definitiv nicht zu kalt!

Hat dir der Artikel gefallen? Dann lass mir gerne deine Anmerkungen in den Kommentaren da! Falls du zusätzliche Tipps für Ausflüge im Winter auf Vancouver Island hast, freue ich mich ebenfalls von dir zu hören!

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